Damit Industrie Zukunft hat

Die Zahlen sind eindeutig: Die Metall- und Elektro-Industrie steckt in der Krise. Jeden Monat gehen 10.000 Jobs bei M+E verloren. Die Produktion ist tief unter das Vorkrisenniveau von 2018 gerutscht – minus 15 Prozent waren es Ende Februar. Die Auftragslage ist vielerorts schlecht.

Das liegt nicht an Kriegen oder Zöllen. Das ist vor allem ein grundsätzliches Problem: Viele M+E-Unternehmen können nicht mehr rentabel in Deutschland produzieren. Gut ein Viertel hat 2025 Verlust gemacht. Ein weiteres Viertel schaffte gerade noch eine „schwarze Null“, es blieben also weniger als 2 Prozent des Umsatzes als Rendite übrig. Und das hat Folgen: Den Unternehmen fehlt das Geld für Investitionen. In neue Produkte, zukunftsfähige Geschäftsmodelle – und vor allem in zukunftssichere Arbeitsplätze.

Der wichtigste Faktor, der auf den Betrieben lastet: die hohen Kosten. Für Energie, für Steuern, für Bürokratie. Und für Arbeit.

Es gibt zwar nach wie vor gute Argumente für Investitionen in Deutschland: eine ausgeprägte Innovationskultur, mutige und erfolgreiche, in ihren Regionen verwurzelte Unternehmen und natürlich: Sie und Ihre Kollegen.

Aber wir müssen den Ernst der Lage auch erkennen: Wer in Deutschland nichts verdient, investiert auch nichts – oder tut es anderswo. Es führt also kein Weg daran vorbei, dass die Kosten sinken müssen. Damit unser Land wieder zum Investitionsstandort wird. Damit Industrie Zukunft hat. Mehr dazu lesen Sie in dieser Ausgabe der M+E-Zeitung.

Was jetzt wichtig ist

Die Fakten zur wirtschaftlichen Lage der Metall- und Elektro-Industrie und Antworten auf Ihre Fragen finden Sie auch auf unserer Webseite: damit-industrie-zukunft-hat.de

„Die Kosten müssen runter“

Interview mit Dr. Udo Dinglreiter, Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall  

Herr Dr. Dinglreiter, alle reden nur noch von Krisen. Wie geht es den Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie wirklich?

Wir haben leider eine ganz schwere Krise in der Wirtschaft. Die M+E-Industrie steckt derzeit in ziemlich schwerem Fahrwasser. Im Vergleich zu 2019 sind bislang fast 300.000 M+E-Arbeitsplätze verloren gegangen. 2025 hatte die M+E-Industrie das zweite Rezessionsjahr in Folge hinter sich. Und das nach einer Phase, in der sich viele eigentlich eine Erholung erhofft hatten. Das Produktionsniveau liegt immer noch stark unter dem von vor Corona. Die Folge: Die Auslastung der Unternehmen liegt aktuell mit 79 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt. Das geht an die Substanz und auf Dauer kann sich das kein Unternehmen leisten. Das ist auch keine Momentaufnahme und kein Ausreißer – sondern ein Zeichen dafür, dass sich die Lage über längere Zeit verschlechtert hat.

Worauf kommt es jetzt an?

Zunächst einmal müssen wir alles dafür tun, damit am Standort Deutschland wieder investiert wird. Da hilft kein Schönreden: Das passiert nur, wenn die Unternehmen damit auch wieder Geld verdienen. Das ist für die meisten aber seit Längerem nicht so, weil es viel zu teuer ist, hier zu produzieren. Die Kosten für Energie, Bürokratie, Steuern und Abgaben müssen runter. Die Unternehmen brauchen einen wettbewerbsfähigen Industriestandort. Sie passen sich ständig an, entwickeln sich und ihre Produkte weiter, versuchen neue Aufträge zu generieren, trotz des großen Kostendrucks. Und sie versuchen, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu halten.

Was kann ich als Beschäftigter tun?

Niemand erwartet von Ihnen, dass Sie eine Strukturkrise lösen. Sie leisten schon heute viel – fachlich, menschlich, im Alltag. Das ist die Basis, auf der die M+E-Industrie überhaupt noch steht. Was trotzdem hilft, ist zunächst: informiert bleiben. Den Ernst der Lage genauso kennen wie mögliche Auswege und den eigenen Beitrag dazu. Denn wenn sich an den grundsätzlichen Problemen der M+E-Industrie etwas ändern soll, müssen wir vor allem darüber reden, wofür Unternehmen Geld ausgeben: Für Investitionen in Zukunft, also in innovative Produkte, Technologien, Geschäftsmodelle und Jobs? Oder für die stetig steigenden Kosten am Standort Deutschland? Veränderungen sind notwendig, und zwar jetzt. Darüber müssen wir reden. Damit Industrie Zukunft hat.

Wie steht es um M+E wirklich?

Die wichtigsten Fakten und Antworten

Seit Corona ist doch gefühlt immer Krise. Muss ich das noch ernst nehmen?

Das Wetter wechselt immer. Ein Unwetter ist an sich kein Problem, solange das Haus solide gebaut und das Dach dicht ist. Aber wenn das Dach nie gepflegt wurde, dann wird aus einem normalen Regen schnell ein riesiges Problem. Und so ist das mit dem Standort Deutschland auch. Ja, wir haben seit Jahren fast nur Regentage. Umso dringender ist, dass wir endlich sanieren und reparieren, statt über das Wetter zu schimpfen.

Bei mir im Unternehmen läuft es super. Warum also das ganze Krisengerede?

Ja, M+E ist vielfältig: Manche Betriebe haben volle Bücher. Andere spüren den Abschwung deutlich. Es gibt beides. Dass es bei einzelnen Unternehmen super läuft, ist leider eine Ausnahme. Unser Ziel muss es sein, dass wieder alle gut dastehen!

Was tun die M+E-Unternehmen selbst, damit Industrie Zukunft hat?

Sehr viel. Sie tun alles dafür, Aufträge zu halten, Märkte zu erschließen und Produkte weiterzuentwickeln, auch wenn die Rahmenbedingungen schwierig sind. Gleichzeitig schauen sie genau hin, wo Abläufe einfacher, schneller oder günstiger werden können, ohne an Qualität zu verlieren. Und: M+E-Unternehmen versuchen, in der Rezession Jobs zu sichern, selbst wenn die Auslastung schwankt. Das sieht man schon daran, dass die Produktion bei M+E deutlich stärker gesunken ist als die Beschäftigung. Das gelingt nicht überall gleich gut, kostet Kraft und Geld – wird aber bewusst angegangen.

Was kann ich als einzelner Beschäftigter tun, damit Industrie Zukunft hat?

Zunächst einmal: Sie als Beschäftigte sind nicht für die Strukturkrise am Standort Deutschland verantwortlich. Im Gegenteil – nur dank Ihres Know-hows und Engagements halten die Unternehmen durch. Was in dieser Lage aber wichtig ist: die Fakten und die Zusammenhänge im Blick behalten. Wenn Sie wissen, warum sich Dinge auf der Welt, hier am Standort oder in der M+E-Industrie verändern, können Sie besser einordnen, was in Ihrem Betrieb passiert. Warum welche Entscheidungen manchmal notwendig sind. Das ist wichtig, damit Sie nachfragen können – und vielleicht eigene Erwartungen hinterfragen.

Es heißt oft „wir“ und „gemeinsam“. Am Ende soll aber doch ich als Beschäftigter liefern, oder?

„Gemeinsam“ heißt nicht, dass Sie als M+E-Beschäftigter alles ausbaden sollen. Es heißt: Wir klammern nichts aus. Weder die äußeren Belastungen noch die Dinge, die Unternehmen und Beschäftigte bei M+E selbst beeinflussen können. M+E-Beschäftigte wie Sie leisten viel – das ist unstrittig. Aber eine starke Industrie braucht nicht nur Strukturen, die funktionieren, sondern eben auch Kosten, die tragbar bleiben. Nur wenn wir ehrlich über alles sprechen, können wir Lösungen finden, die Arbeit sichern und Betriebe am Laufen halten.

M+E-Quiz

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Zählen, bitte!

Hinweis: Diese Frage können Sie nur dann korrekt beantworten, wenn Sie eine gedruckte M+E-Zeitung in die Hand nehmen. Die Zeitung enthält Textelemente mit „Industrie“ darin, die auf dieser Webseite gar nicht vorkommen.

Die M+E-Industrie sucht Auswege aus der Krise. Und wir suchen die „Industrie“! Wie oft steht dieser Begriff in dieser Ausgabe der M+E-Zeitung (auch zusammengesetzt)? Nennen Sie uns die richtige Zahl und gewinnen Sie einen dieser Preise:

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Stichwort: M+E-QUIZ

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